Schlüsselübergabe im neuen Schöpfwerk
Aicha
Am oberen Zugang zum neuen Schöpfwerk wurde das Herstellungsdatum ins Metall eingraviert. −Foto: Schiller
In Anlehnung an das alte, denkmalgeschützte Schöpfwerk in Aicha (rechts) wurde das neue Pumpenhaus mit Natursteinen verkleidet. −Foto: Schiller
Fast 90 Jahre lang hat das 1933 erbaute Schöpfwerk in Aicha gute Dienste geleistet. Mitte November wird es nun endgültig stillgelegt und unter Denkmalschutz gestellt. Im Rahmen des Ausbaus des Hochwasserschutzes an der Donau wurde wenige Meter daneben ein neues Schöpfwerk errichtet, das nun vollständig fertiggestellt ist – und das drei bis vier Wochen vor dem geplanten Termin, wie Bauoberleiter Bernhard Ullmann von der Wasserbaulichen Infrastrukturgesellschaft WIGES mbH berichtet. Am Montag vergangener Woche hat er die Schlüssel für den Neubau an das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf übergeben, das für den weiteren Betrieb zuständig ist.
Es ist ruhig auf der Baustelle: Aufgrund des raschen Baufortschritts gibt es für die Arbeiter der österreichischen Firma GLS aktuell nichts zu tun. Erst Mitte November kehren sie wieder zurück, um die Druckrohr- und Sielleitungen des alten Schöpfwerks in geböschten Baugruben aus dem Deichkörper "heraus zu operieren", wie es der Bauoberleiter umschreibt. Nach Installation der Elektrotechnik seien die einzelnen Komponenten auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft worden. Dazu wurde das Wasser mit einer Leistung von 4900 Litern pro Sekunde im Kreis durch die Baugrube gepumpt. Die beiden Pumpen sind samt Motor jeweils etwa acht Meter hoch und zehn Tonnen schwer. Bei Niedrigwasser der Donau werden die Schieber geöffnet, so dass das Niederschlagswasser ohne Pumpeneinsatz über das Siel abfließen kann.
Die Fassade des neuen Schöpfwerks in Aicha ist ein Blickfang: Auf zwei Seiten ist es wie der Vorgängerbau mit Natursteinen aus rauem Bayerwald-Granit verkleidet, auf den beiden anderen erzeugen Sonnenstrahlen im Wechsel mit den Wolken auf den Stahlplatten ein schillernd leuchtendes Farbenspiel von rötlich-rostfarben über Bronze bis Gold. Regelmäßigkeit entsteht durch die maßgefertigten Werksteine an den Außenkanten. Mehrere Lochbänder vor den Fenstern sorgen für eine Querlüftung des Gebäudes und lassen dabei genug Licht ins Pumpenhaus.
Diese architektonische Finesse trägt die Handschrift von Architekt Harald Neu, der für WIGES auch das Schöpfwerk in Fehmbach bei Stephansposching mit einer reinen Metallfassade gestaltet hat. Siegfried Ratzinger, Bereichsleiter für Hochwasserschutz am Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, weist auf die funktionale Bauweise und den regionalen Charakter hin: "Funktion und Form wurden sauber und harmonisch zusammengebracht!"
Das Schöpfwerk in Thundorf, an dem aktuell noch der Betonbau läuft, wird etwas breiter, aber ähnlich wie das in Aicha aussehen. Es wird laut WIGES genau um ein Jahr zeitversetzt Mitte 2023 fertiggestellt. Die letzten Arbeiten in Aicha sind für Mai 2022 geplant.
Der Vorplatz rund ums Werk ist asphaltiert, ein großes Tor versperrt die Zufahrt, in der eine kleine Lagerhalle errichtet wurde. Die mit Spritzbegrünung angesäten Böschungen und Deichkörper werden erst im kommenden Frühjahr erblühen. Wegen der elektrisch arbeitenden Rechenreinigungsanlage vor dem Schöpfwerk am Wirtsweiher wird das ganze Areal sicherheitshalber eingezäunt und nachts ausgeleuchtet. Regelmäßig kontrolliert ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes den Bereich. Nach dem Winter wird noch eine Aussichtskanzel vom Deich ins Vorland inklusive einer Zufahrt ausgebaut.
Zwei Monate lang wird das alte Werk mit einer Schöpfleistung von 3200 Litern pro Sekunde noch parallel zum neuen Schöpfwerk betrieben, ehe es im November endgültig abgeschaltet wird.
Nach der Innenabdichtung wird die Stahlspundwand im neuen Deich geschlossen, so dass die Hochwasserschutzmauer auf der insgesamt 1400 Meter langen Deichlinie bis hinter das Schöpfwerk in Richtung Thundorf weitergeführt werden kann.
Quelle: Osterhofener Zeitung / PNP.de, 29.09.2021
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