Abriss des Landshuter Johann-Weiß-Stegs ist in vollem Gang

Marode Brücke

In der Kleinen Isar wurde eine Zufahrt zum Johann-Weiß-Steg aufgeschüttet. Über sie können Bagger die alte Brücke erreichen und abreißen. Große Teile der Brückenplatten und ein Pfeiler sind bereits verschwunden. -Foto: Sigrid Zeindl

In der Kleinen Isar wurde eine Zufahrt zum Johann-Weiß-Steg aufgeschüttet. Über sie können Bagger die alte Brücke erreichen und abreißen. Große Teile der Brückenplatten und ein Pfeiler sind bereits verschwunden. -Foto: Sigrid Zeindl

Der Neubau, eine Stahl-Verbund-Brücke, wird ein Jahr lang dauern, die Kosten werden auf 3,2 Millionen Euro beziffert. Für Fußgänger und Radfahrer wird der neue Steg deutlich mehr Platz bieten.

Vom Johann-Weiß-Steg ist nicht mehr viel übrig: Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Kleine Isar unweit der Podewilsstraße war marode und wird gerade abgerissen. Voraussichtlich ein Jahr wird es dauern, bis der Neubau steht, die Kosten werden auf 3,2 Millionen Euro beziffert.

Eine Sanierung des alten Stegs war nicht mehr wirtschaftlich. „Das Beste daran war eigentlich noch das Geländer", sagt Tiefbauamtsleiter Markus Huber. Die Substanz des alten Stegs war stark angegriffen: So lag an den beiden Pfeilern, die noch vom ersten Bauwerk aus den 1920er Jahren stammten, zum Teil die Bewehrung frei. Und auch die übrigen Bauteile, die in den 80er Jahren errichtet wurden, waren laut dem städtischen Projektleiter Wolfgang Frimberger baufällig: Die Träger hatten Risse und Betonabplatzungen, und die Fahrbahnplatten mussten aufgrund ihrer Schäden laufend nachgebessert werden. Zuletzt hatte der Steg nur noch die Zustandsnote 3,4 - ab einer Note von 3,5 hätte die Sperrung gedroht.

Erste Herausforderung durch Hochwasser
Die neue Brücke entsteht an der exakt gleichen Stelle wie die alte: Sonst hätte es einen zu großen Versatz zu den Anschlusswegen gegeben. Das bedeutet aber auch, dass der alte Steg vor dem Neubau weichen musste. Seit einigen Tagen zerlegt ihn ein Abrissbagger: Große Teile der Träger und der Gehwegplatten sind entfernt, auch ein Pfeiler ist bereits verschwunden. Jetzt nimmt der Bagger das Widerlager - das ist die Stütze, auf dem die Brücke am Ufer aufliegt - in seine Abbruchzange.

Damit der Bagger die Brücke für den Abriss erreichen kann, wurde in der Isar quasi eine Zufahrt aufgeschüttet; von einem Ponton aus zu arbeiten wäre nicht möglich gewesen,weil der Pegel der Kleinen Isar bei Normalwasser an dieser Stelle zu niedrig ist. Dabei wartete gleich die erste Herausforderung: Kaum war die Aufschüttung fertig, musste sie wegen des Hochwassers Ende Mai wasserrechtlichen Vorgaben entsprechend wieder zurückgebaut werden. In der vergangenen Woche wurde erneut aufgeschüttet, und der Abriss der Brücke konnte beginnen.

Ist die alte Brücke Vergangenheit, wird die Aufschüttung etwas zurückgebaut. Dann geht es an den Neubau, zunächst stehen die Spundarbeiten für den Pfeiler und die Widerlager an. Anders als heute wird die 60 Meter lange Brücke künftig nur noch auf einem Pfeiler ruhen: Bislang hatte sie zwei Pfeiler, was dazu führte, dass bei Hochwasser immer wieder Treibgut hängenblieb.

Der neue Steg wird dem vor vier Jahren erneuerten Marschallsteg ähnlich sein: Bei beiden handelt es sich um Stahl-Verbund-Brücken. Als Vorteile dieser Bauweise werden unter anderem eine hohe Lebensdauer, ein hoher Vorfertigungsgrad und eine kurze Bauzeit genannt. Wie beim Marschallsteg werden die Träger aus Cortenstahl sein. Insgesamt werde der Johann-Weiß-Steg aber "etwas schlanker", sagt der Tiefbauamtsleiter. Auf dem Marschallsteg können im Notfall auch Rettungsfahrzeuge fahren, deshalb sind die Dimensionen etwas größer; der Johann-Weiß-Steg ist maximal für leichtere Fahrzeuge zum Bauunterhalt ausgelegt.

Neuer Steg wird zwei Meter breiter
Der neue Johann-Weiß-Steg wird mit 5,75 Metern deutlich breiter als sein Vorgänger mit 3,70 Metern. Zudem werden gemäß der aktuellen Richtlinien Geh- und Radweg getrennt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass der Johann-Weiß-Steg bei Fußgängern und besonders bei Radfahrern eine sehr beliebte Verbindung zwischen Innenstadt und Nikolaviertel ist: Pro Tag nutzen ihn bis zu 2700 Radler. Für sie wird sich die Situation also wesentlich verbessern, was auch eine Maßgabe für die Förderung war. Der Neubau wird durch das Programm Stadt und Land bezuschusst.

Die Stadtwerke beteiligen sich ebenfalls an den Kosten, weil die Brücke auch eine Verbindung für die technische Infrastruktur schafft: Neben Gasleitungen und Kabeln werden künftig auch Fernwärmerohre an der Unterseite der Brücke verlaufen; damit erreicht die Fernwärme das Nikolaviertel.

Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich bis Juli 2025 dauern. Die Fußgänger und Radfahrer müssen bis dahin über das Isargestade, die Podewilsstraße und die Innere Regensburger Straße ausweichen.

Quelle: idowa.de vom 03.07.2024, Sigrid Zeindl

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