Bagger zerlegen B8-Brücke
Ausbau der A3
Um 23.23 Uhr begannen die Baggerfahrer, mit Abrisshämmern und Pulverisierern Teile des Betons herauszubrechen. -Foto; Alexandra Wissinger
Am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr rissen die Bagger das letzte Widerlager ab. -Foto; Alexandra Wissinger
Der Abrisshammer schlägt mit einem lauten Knall auf den Beton. Wie ein Specht hämmert er auf den Brückenbelag ein. Es knirscht und donnert - dann fallen die ersten Betonbrocken zu Boden. Eine Staubwolke schießt in die Luft und breitet sich über die gesamte Baustelle aus. Kaum mehr zu sehen, aber unter hörbarem Krachen zerbrechen vier Bagger am Samstagabend die B-8-Brücke in ihre Einzelteile.
Es ist bereits dunkel, als die Absperrbaken aufgebaut werden. Dichter Nebel zieht langsam auf. Pünktlich um 20.30 Uhr wird die Autobahn 3 an der Anschlussstelle Rosenhof in beide Richtungen gesperrt, denn die B 8-Brücke darüber soll in wenigen Stunden abgerissen werden. 1965 wurde sie gebaut. Nun ist sie alt, der Beton platzt schon auf. Bauarbeiter in leuchtend gelben und orangen Jacken eilen über die Baustelle. Sie leiten den Verkehr um, dann starten die Vorbereitungen. Die Leitplanken werden abmontiert und zur Seite gelegt. Große, helle Planen bedecken die Fahrstreifen unter der Brücke.
Ein Polster aus Erde und Sand
Bagger mit Schaufeln voller Sand fahren herbei und laden diesen auf den Planen ab. Darauf schütten weitere Baustellenfahrzeuge Erde. Schicht um Schicht bauen sie ein Schutzpolster für den Straßenbelag auf. Obwohl die Uhr bereits 21 Uhr zeigt, ist es taghell auf der Baustelle. Mehrere Meter hohe Baustrahler stehen an jeder Ecke, sie zeigen in Richtung der Brücke. Jeder Millimeter ist vollständig ausgeleuchtet.
Neun Bagger und Baustellenfahrzeuge sausen über die Erdschicht. Ihre Räder und Ketten hinterlassen tiefe Spuren. Ein weiterer Bagger streicht regelmäßig mit seiner Schaufel über den Boden, um ihn zu ebnen. Schrilles Piepsen ertönt aus allen Richtungen, ein Warnsignal dafür, dass ein Baustellenfahrzeug rückwärts fährt. Im Hintergrund sammeln sich bereits die ersten Zuschauer. Durch dichtes Gebüsch hindurch kämpfen sich die Schaulustigen an den Rand der Autobahn.
Ein Mann in neon-oranger Jacke steigt in einen Bagger mit Greifarm. Langsam fährt er an die Brücke heran, positioniert den Greifarm und zieht an dem blauen Geländer der Brücke. Unter lautem Knarzen biegt sich der Stahl - und gibt schließlich nach. Mit einem Ruck reißt der Greifarm plötzlich einen Abschnitt des Geländers herunter und das Metall knallt auf den Boden. Der Bagger hebt es auf, legt es zur Seite und bricht Stück für Stück weitere Teile des Geländers ab.
In der Zwischenzeit haben Arbeiter die restlichen Maschinen bereitgemacht. An beiden Enden der Brücke, die vor einiger Zeit noch mit der B 8 verbunden waren, stehen sie bereit und warten auf ihren Einsatz. Der letzte Teil des Geländers landet gerade auf dem Haufen aus blauem Altmetall. Laut dröhnend setzen sich die Maschinen in Bewegung. An der Brückenseite in Richtung Passau bringt sich ein Bagger mit Abrisshammer in Position. Der Fahrer wartet auf sein Zeichen - und bekommt es. Der Baggerarm holt aus und der Meißel trifft mit voller Wucht auf den Beton.
Staub bedeckt die Baustelle
Im Sekundentakt schlägt der Hammer auf den Plattenbelag ein, das Klopfen dröhnt über die Baustelle. Nach wenigen Sekunden lösen sich die ersten Betonbrocken, an den Stahlseilen baumeln sie nur knapp über dem Boden. Die Seile reißen - und die Brocken schlagen mit einem dumpfen Knall auf der Erde auf. Sofort steigt eine große Staubwolke auf und legt sich wie ein grauer Schleier über die gesamte Baustelle. Es riecht nach Beton und Erde, einige der Zuschauer stehen hustend am Fahrbahnrand.
Nun rollen auch die Pulverisierer heran. Ihre scherenartigen Zangen beißen sich am Rand der Brücke fest. Sie reißen und rütteln daran und brechen riesige Betonstücke heraus. Die Erde bebt bei jedem Aufprall. Ein weiterer Abrisshammer kommt hinzu. Gemeinsam fressen sie sich über mehrere Stunden hinweg wie Termiten durch Stahl und Beton. Nach und nach verliert die Brücke ihre Stabilität. Dann ist es soweit - sie gibt nach. Das Mittelstück der Brücke bricht zusammen und hängt zwischen den beiden Widerlagern durch, nur noch von Stahlseilen gehalten.
Die Betonbrocken werden zerkleinert
Die abgerissenen Stahldrähte ragen aus der aufgebrochenen Brücke heraus. Die Pulverisierer zwicken sich weiter durch. Dann ist die Brücke komplett durchtrennt. Kettenbagger mit Abrisshämmern rollen über die Trümmer. Mit ihren Meißeln zerlegen sie das erste Widerlager auf Barbinger Seite. Währenddessen zerkleinern Pulverisierer die größten Betonbrocken, die auf dem Fallbett liegen, um diese leichter abtransportieren und später vom Stahl trennen zu können.
Es ist bereits früh am Morgen und der Wind trägt den aufgewirbelten Staub in Richtung Regensburg. Während ein Bagger noch das letzte Widerlager abbricht, laufen schon die ersten Aufräumarbeiten. Baustellenfahrzeuge mit großen Ladeflächen, sogenannte Bumper, stehen an den Schutthaufen bereit. Schaufelbagger sammeln Beton und Stahl auf und werfen sie in die Lastwägen. Der Lastwagenfahrer hupt, das heißt, eine Schaufel voll Schutt passt noch rein, dann muss er zur Sammelstelle fahren.
Neben der A 3 werden die Überreste der Brücke zwischengelagert. "Das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Fahrbahn frei zu bekommen, damit wir sie reinigen und für den Verkehr wieder freigeben können", erklärt der stellvertretende Projektleiter Wolfgang Melzl. Diese Woche noch werde der Stahl vom Beton getrennt und mit den abgerissenen Geländern entsorgt.
Fahrbahn gereinigt und Leitplanken befestigt
Bei Temperaturen um null Grad Celsius entsorgen die Bagger die letzten Reste an Schutt. Dann schaufeln sie die Erde und den Sand von den Planen. Arbeiter sammeln die Planen ein, eine kleine Menge an Dreck bleibt auf der Fahrbahn zurück. Reinigungsfahrzeuge rücken an. Sie kehren und waschen den Straßenbelag. Erst danach werden die Leitplanken wieder befestigt. Der Zeitplan wurde eingehalten, bereits um 15.14 Uhr ist die A 3 in Richtung Nürnberg wieder befahrbar. Zwischenfälle gab es nicht.
"Es kam die ganze Zeit über zu keinen Staus oder Unfällen. Ein Abbruchmeißel und eine Zwickzange gingen kaputt, aber wir haben immer Ersatz dabei", sagt Projektleiter Paul Novak zum Abschluss. "Das hat uns maximal eine halbe Stunde aufgehalten, aber es ist kein Bagger ausgefallen und wir liegen sehr gut im Zeitplan. Ein ganz normaler Abbruch für uns", lautet sein Fazit. Somit ist auch seit 16.13 Uhr die Fahrt in Richtung Passau wieder möglich, nachdem nun die Fahrstreifen freigeräumt sind. Vorerst wird der Verkehr weiter über die Behelfsbrücke geführt, jedoch soll bis November schon die neue B-8-Brücke stehen.
Quelle: Alexandra Wissinger, idowa.de, 16.01.2022
Unsere Leistungen:
- Statische Berechnung und Ausführungsplanung des Ersatzneubaus des Brückenbauwerks und der Behelfsbrücke für die bauausführende Firma Fahrner-Bau