Sünchinger Bahnhof nach eineinhalb Jahren feierlich eingeweiht
Barrierefreier Umbau
Das Band ist durchtrennt, der Weg zu den Zügen ist frei. -Foto: Wenzel Neumann
"Großer Bahnhof für kleinen Bahnhof": So hat Sünchings Bürgermeister Robert Spindler die offizielle Eröffnung des dortigen Bahnhofs nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit bezeichnet. Gleichzeitig wurde der Bahnhof im Rahmen eines Festakts als barrierefrei ausgezeichnet.
Wie der Konzernbevollmächtigte für den Freistaat Bayern bei der Deutschen Bahn (DB), Klaus-Dieter Josel, ausführte, ist mit dem modernisierten Bahnhof in Sünching ein weiterer Bahnhof in Bayern für Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen erreichbar. "Darüber freuen wir uns sehr, denn Bahnfahren soll für alle Menschen zugänglich sein." Das macht die Schiene noch attraktiver. Über 80 Prozent der Bahn-Fahrgäste in Bayern profitierten bereits von barrierefreien Bahnhöfen, sagte Josel.
Sünching verfügt damit über den 511. barrierefreien Bahnhof in Bayern, insgesamt gibt es dort 1023 Bahnhöfe. "Mit diesem Ausbau wollen wir unserer Strategie "Starke Schiene" gerecht werden, für die heuer bereits zwei Milliarden Euro investiert worden seien. Bahnfahren ist ein aktiver Klimaschutz", sagte Josel. Dies gelinge aber nur, wenn die entsprechende Infrastruktur bereitstehe. Eine weitere Aussage lautete: "Wir wollen den Nahverkehr attraktiver machen, wir wollen den Schienennahverkehr deutlich steigern. Bayern braucht eine starke Schiene, um für die Zukunft gerüstet zu sein".
Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter ging auf den barrierefreien Umbau und die Erneuerung der Bahnsteige ein. Ziel sei es gewesen, öffentliche Verkehrsmittel für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, schweren Gepäckstücken, Kinderwagen oder Fahrrädern erreichbar zu machen. Das werde durch einen neuen, höheren Mittelbahnsteig und eine Personenunterführung mit zwei Aufzuganlagen erreicht. Außerdem gibt es ein taktiles Wegeleit- und Informationssystem mit Beleuchtungsanlage zur besseren Orientierung sowie Wetterschutzhäuschen.
Im Februar 2022 begannen die Hauptmaßnahmen unter laufendem Betrieb. Für die Erneuerung des Bahnhofs Sünching haben Bund, Freistaat Bayern und DB zusammen rund 13,6 Millionen Euro investiert. Davon übernimmt der Freistaat 1,3 Millionen Euro. Insgesamt unterstützt der Freistaat jedes Jahr freiwillig derartige Ausbaumaßnahmen mit rund 50 Millionen Euro. "Ich wünsche mir, dass viele Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen", sagte Bernreiter.
Der nächste Schritt sind noch passende Züge. Derzeit wird die Bahnstation Sünching von Zugarten mit unterschiedlichen Einstiegshöhen auf der Strecke bedient. Einige Jahre sind noch Kompromisse notwendig, bis die Fahrzeuge an allen Stationen zur Standard-Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern passen.
Bürgermeister Spindler sprach von einem historischen Tag für die Gemeinde. Der Bahnhof Sünching gehöre jetzt zu den modernsten Bahnhöfen im ländlichen Raum. 15 Jahre lang habe sich die Gemeinde für den Ausbau des Bahnhofs eingesetzt, bereits unter Bürgermeister Erwin Rist. Spindler ging einzeln auf die vielen Stationen und Gespräche ein. Es habe etliche Lokaltermine mit Politikern am Bahnhof selbst und bei den Fachstellen in München gegeben, um eine Fußgängerunterführung als optimalen Zugang zu Gleis zwei zu erreichen.
Die Verspätung wurde zum Glücksfall
Trotz eines Planfeststellungsbeschlusses von 1999 habe die Gemeinde am 1. März 2005 folgende Mitteilung bekommen: "Die Beseitigung des Bahnübergangs erfolgt im nächsten Jahr. Der Bau eines Mittelbahnsteiges ist nicht enthalten. Die Anbindung eines Mittelbahnsteiges kann aus finanziellen Gründen in den nächsten Jahren nicht umgesetzt werden." Die Personenunterführung hätte die Gemeinde komplett bezahlen müssen. Am 6. November 2015 teilte Staatsminister Hermann mit, dass der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes Sünching beim Bund angemeldet wurde. Nach ursprünglichen Planungen wäre gar ein Zugang von der Staatsstraße 2 146 aus über rund 100 Treppen zum Gleis zwei geführt. Abschließend betonte Bürgermeister Spindler: "Wenn man zurückblickt, war es nur ein Vorteil, dass sich alles so verzögert hat. Jetzt haben wir einen modernen, fast neuen Bahnhof." Im Anschluss segneten Pfarrer Erwin Gietl und der evangelische Pfarrer Ulrich Fritsch den neuen Bahnhof ökumenisch. Unter Beifall übergab Verkehrsminister Christian Bernreiter an Josel und Spindler das Signet "Bayern barrierefrei". Ferner trugen sich Bernreiter und Josel in das Goldene Buch der Gemeinde Sünching ein. Beide wünschten dabei der Gemeinde viele Fahrgäste und denen eine stets unfallfreie Fahrt.
Zum Abschluss des Festakts, den die Bayernkapelle Schmid musikalisch umrahmte, durchschnitten die Ehrengäste vor einem der neuen Aufzüge der Bahnstation das Trennungsband. Mit einem Imbiss endete die Veranstaltung.
Quelle: Donau-Post vom 08.08.2023, Wenzel Neumann
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