Bagger-Baustellenballett
Das Hafenbecken wird tiefergelegt: Wirtschaft und Umwelt gewinnen dabei
Bis zu sieben Kubikmeter fasst die große Baggerschaufel, mit der derzeit das Hafenbecken ausgebaggert wird. Um 65 Zentimeter wird die Tiefe erweitert. -Foto: Ulli Scharrer
Stahl, viel Stahl, Erde, viel Erde, Bagger, viele Bagger, Schiffe, viele Schiffe tanzen derzeit koordiniert ein schwimmendes Baustellenballett im Hafen Straubing-Sand. Das Hafenbecken wird tiefergelegt und davon werden Umwelt und Wirtschaft profitieren.
Es knattert und staubt, die zwei Bohrmaschinen auf dem Ponton neben dem Arbeitsschiff "Franz" sind im Dauereinsatz. Damit die Spundwände des Hafenbeckens stabil bleiben, wenn die Sohle ausgebaggert wird, werden "Anker gesetzt". Nicht die aus der Schifffahrt, sondern Erd-Anker. 1.100 Stück, mit Längen zwischen 19 und 30 Metern, werden entlang des gesamten Kais "etwas über Normalhöhe" in verschiedenen Winkeln eingebracht, berichtet Christian Albrecht. Der Diplom-Ingenieur aus dem Team des Hafen Straubing-Sand ist als Projektleiter für alle Baumaßnahmen zuständig. Die laufen seit Oktober 2022. Mit den Baggerarbeiten hat man erst im März begonnen, um die Fische zu schonen, die im Winter das Hafenbecken aufsuchen. Ende Juni soll die gesamte Baumaßnahme abgeschlossen sein.
Erweiterte Abladetiefe ermöglicht mehr Fracht
Um 65 Zentimeter wird die Sohle des Hafenbeckens tiefergelegt. Ein bisschen mehr als einen halben Meter - bringt das was? Ja. Und zwar viel: 135 Meter sind die großen Donauschiffe lang. Und wenn Ende Juni die Ausbaggerung abgeschlossen ist, kann jedes dieser Schiffe 650 Tonnen mehr Fracht in Straubing ausladen oder einladen, weil die Abladetiefe dann 2,50 Meter beträgt. Bisher war es so, wenn ein Schiff zu viel geladen hatte für seinen Zielhafen Straubing-Sand, dann musste es in Regensburg oder Passau "geleichtert werden". Ein Teil der Ladung wird dabei auf Lastwagen geladen und nach Straubing transportiert. 650 Tonnen: das sind etwa 25 bis 30 Brummi-Fahrten. Umgekehrt gilt dasselbe, dass man überschüssige Fracht nach Regensburg fährt, damit die dort aufgeladen wird.
Schiffbarkeit steigt von 150 Tagen im Jahr auf 300
Be- und Entladen kostet natürlich Zeit, Geld und Energie. Das alles und die Fahrten auf der Straße spart man in Zukunft ein. Das entlastet Straße und Umwelt und stärkt das Industriegebiet Hafen Straubing-Sand.
Die Rechnung freut Diplom-Ökonom Andreas Löffert, und auch Martin Bayer, dem Hafen-Betriebsleiter, gefällt die Rechnung - auch wenn sie Mehrarbeit bedeutet. Verdoppelt sich doch die Schiffbarkeit des Hafens in Zukunft von durchschnittlich 150 Tagen im Jahr auf 300. Die 16 Millionen Euro-Baumaßnahme am Hafen Straubing-Sand wird von der EU (50 Prozent der Kosten), Bund und Land kräftig unterstützt.
Der nächste Anker wird eingebracht. Zuerst muss das Loch gebohrt werden. Der Minibagger neben der Bohrmaschine füttert die Bohrstange im Zwei-Meter-Takt, so lang sind die Verlängerungen. Die Mannschaft ist eingespielt, knapp 800 der 1.100 Anker, die gesetzt werden, sind schon verbaut.
1.100 Stahlanker mit 22 Kilometern Länge
Eine Gesamtlänge von 22 Kilometern würden die mit Beton ummantelten Stahlstangen mit einem Gesamtgewicht von 450 Tonnen ausmachen. Sicher verbaut werden sie mit Beton und einem großen Dübel am Ende der Stange. Beim Einbringen hängt die Baumannschaft einen Stahlkorb unter das Bohrloch, damit kein überschüssiges Material in die Donau gelangt. Umweltschutz ist auf der Baustelle wichtig, erklärt Diplom-Ingenieur Stefan Lechelmair von der Fachfirma. Deswegen ist es auch eine dreckige Baustelle. Weil das Wasser sauber bleiben muss, können die Maschinen zwischendurch nicht gereinigt werden. Und da man in zwei Schichten rund um die Uhr arbeitet, hat sich auf Bagger, Kräne und Bohrmaschinen eine dicke Staubschicht gelegt. Etwa 20 Anker schafft man so pro Tag, wenn der Wasserstand mitspielt.
Neun Fußballfelder passen in das Hafenbecken
700 Meter lang und 90 Meter breit ist das Hafenbecken, dazu kommt noch die Einfahrt/Wendebecken mit 120 Metern Durchmesser. Ein Fußballfeld umfasst nach internationaler Norm der FIFA und UEFA 7.140 Quadratmeter. Das Hafenbecken, ohne Einfahrt, hat 63.000 Quadratmeter. Da kommt eine Menge Aushub zusammen.
Drei Becken hat Projektleiter Albrecht hinter der Hafenmeisterei dafür anlegen lassen. Die Ränder bestehen aus dem Aushub der Fläche, gefüllt wird mit Schlick und der Erde darunter, die aus dem Hafenbecken kommen. Alles wird beprobt, der Schlick muss von Haus aus entsorgt werden, die Erde darunter kann als Füllmaterial verwendet werden. Erst einmal muss aber alles ein paar Wochen lang trocknen.
Alle Beteiligten sind froh und stolz, dass alle Arbeiten aufeinander abgestimmt wurden und werden. Mit Wochenplan und täglichen Anpassungen konnte während der gesamten Bauzeit die eigentliche Hafenarbeiten, also das Be- und Entladen von Schiffen, fortgesetzt werden. Dafür wurden Baggerschiff, Arbeitsschiff "Franz", zwei Schubschiffe, zwei Schutten sowie Arbeits- und Schweißpontons immer wieder versetzt.
Erfolgsgeschichte am Wasser ausbauen
"Unsere Anbindung an die Straße ist hervorragend", betont Andreas Löffert, Geschäftsführer der Hafen Straubing-Sand GmbH und des dazugehörigen Zweckverbands. 77 Prozent der Güterströme, die in das Industriegebiet kommen oder abfließen, werden auf der Straße transportiert. 13 Prozent mit Schiffen auf der Donau und zehn Prozent werden mit der Bahn bewegt. In Zahlen waren das vergangenes Jahr 552 Schiffe, 393 Züge und 3.207 Lastwagen. Wobei 2022 aufgrund des Ukrainekriegs der Schiffsgüterumschlag etwas eingebrochen ist.
Löffert ordnet die Zahlen ein: Schiene und Wasserstraße kommen eigentlich nicht schlecht weg. Aber "die Erfolgsgeschichte am Wasser" werde man dank Donauausbau, unter den auch das Ausbaggern des Hafenbeckens fällt, "extrem ausbauen können". Die neue Abladetiefe wird es ermöglichen, die bisher durchschnittlich 150 schiffbaren Tagen im Jahr im Hafen auf 300 Tage zu erhöhen. "Das ist ein tolles Signal an den Markt", betont Löffert, Speditionen werden diese Möglichkeit und die erhöhte Planungssicherheit annehmen.
Die Donau verbindet viele Länder: Über den Rhein-Main-Donau-Kanal und den Hafen Rotterdam, dem größten Seehafens Europas, letztendlich die ganze Welt. Daher werden die Ausbaumaßnahmen am Straubinger Hafen auch stark von der EU unterstützt. Rund 16 Millionen Euro wird die Hafenertüchtigung kosten. Die Hälfte davon finanziert die EU. Bund und Land teilen sich weitere 45 Prozent. Die restlichen fünf Prozent trägt der Standort Hafen Straubing.
Info
Mehr Informationen zum Trimodalen Hafen, der Straße, Schiene und Wasserstraße verbindet, findet sich unter www.hafen-straubing.de im Internet.
Quelle: Straubinger Tagblatt, 01.04.2023
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