Wünsche und Ängste am Schöpfwerk

Wünsche und Ängste am Schöpfwerk

Bürgermeisterin kritisiert beim Ortstermin die lange Planungsphase für den Hochwasserschutz

Die Metallfassade des Schöpfwerks in Aicha glitzerte in der Sonne, als (von links) WIGES-Projektleiter Herbert Baumgartner, Bürgermeisterin Liane Sedlmeier, Geschäftsleiter Josef Feuerecker und Siegfried Ratzinger vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf den Neubau in Augenschein nahmen. -Foto: Schiller

Die Metallfassade des Schöpfwerks in Aicha glitzerte in der Sonne, als (von links) WIGES-Projektleiter Herbert Baumgartner, Bürgermeisterin Liane Sedlmeier, Geschäftsleiter Josef Feuerecker und Siegfried Ratzinger vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf den Neubau in Augenschein nahmen. -Foto: Schiller

Aicha. "Gut Ding will Weile haben", besagt ein altes Sprichwort. Nach den dramatischen Ereignissen im Juni 2013 kann es Bürgermeisterin Liane Sedlmeier aber gar nicht schnell genug gehen mit dem Ausbau des Hochwasserschutzes an der Donau. Am Dienstag nahm sie gemeinsam mit Geschäftsleiter Josef Feuerecker das neu gebaute Schöpfwerk in Aicha in Augenschein. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen", stellte Liane Sedlmeier zur architektonischen Gestaltung fest und dankte der Wasserbaulichen Infrastrukturgesellschaft (WIGES) mbH und den Baufirmen für ihren immensen Einsatz sowie der Bundes- und Staatsregierung für die hohen Investitionen und die großzügige Bereitstellung von Fördermitteln.

Gleichzeitig brachte sie ihre Ungeduld zum Ausdruck, was den Ausbau des restlichen Teilstücks zwischen Aicha und Thundorf betrifft. Dieser Abschnitt befindet sich immer noch in der Planfeststellung. "Ich habe etwas Angst, dass uns nochmals ein Hochwasser überraschen könnte", gestand die Bürgermeisterin ein und sprach so auch ihren Wunsch nach einem geregelten Polder für Ruckasing/Endlau aus.

Dafür hat Siegfried Ratzinger, Bereichsleiter für Hochwasserschutz am Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, durchaus Verständnis. Er begründete die lange Planungsphase damit, dass gründlich gearbeitet und alle Einwendungen behandelt werden müssten, um schließlich einen umsetzbaren und gleich rechtskräftigen Beschluss zu erhalten. "Wir wollen die Leute dabei mitnehmen, brauchen aber auch einen Anschub durch die Politik", betonte Ratzinger.

Im Bereich Endlau seinen 96 Prozent der Anwesen vor einem Hochwasser der Donau geschützt, ein Restrisiko verbleibe nur bei einem möglichen Rückstau des Herzogbach-Ableiters. Die WIGES mbH erstellt derzeit für die restlichen 28 gefährdeten Anwesen einen Abschlussbericht, der laut Ratzinger in einigen Wochen vorliegen wird.

Fast 90 Jahre lang hatte das 1933 erbaute Schöpfwerk in Aicha gute Dienste geleistet, Mitte November 2021 wurde es endgültig stillgelegt und unter Denkmalschutz gestellt. Jetzt wird eine Folgenutzung dafür gesucht. Wenige Meter daneben wurde ein neues Schöpfwerk errichtet, das nun vollständig fertiggestellt ist. Die Bauabnahme soll noch vor Pfingsten erfolgen. Mit den beiden Pumpen im Werk können 5000 Liter Wasser pro Sekunde abgesaugt werden. Das Schwimmerbecken im Osterhofener Freibad z.B. wäre in nur vier Minuten leer gesaugt.

Der Ortsschutz von Aicha ist laut WIGES-Projektleiter Herbert Baumgartner der zweite von drei "Meilensteinen" beim Ausbau des Hochwasserschutzes entlang der Donau zwischen Thundorf und Haardorf. Letzter Akt ist die Errichtung des neuen Schöpfwerks und der Deichmauern in Thundorf. Diese Maßnahmen sollen laut Zeitplan bis Pfingsten 2023 abgeschlossen werden.

Die Fassade des neuen Schöpfwerks in Aicha ist ein Blickfang: Auf zwei Seiten ist es wie der Vorgängerbau mit Natursteinen aus rauem Bayerwald-Granit verkleidet, auf den beiden anderen erzeugen Sonnenstrahlen im Wechsel mit den Wolken auf den Stahlplatten ein schillernd leuchtendes Farbenspiel von rötlich Rostfarben über Bronze bis Gold. Regelmäßigkeit entsteht durch die maßgefertigten Werksteine an den Außenkanten. Mehrere Lochbänder vor den Fenstern sorgen für eine Querlüftung des Gebäudes und lassen dabei genug Licht ins Pumpenhaus.

Diese architektonische Finesse trägt die Handschrift von Architekt Harald Neu, der für WIGES auch das Schöpfwerk in Fehmbach bei Stephansposching mit einer reinen Metallfassade gestaltet hat. "Funktion und Form wurden sauber und harmonisch zusammengebracht", weist Siegfried Ratzinger auf die funktionale Bauweise und den regionalen Charakter hin. Zwei Öffnungen in der Mauer werden noch freigehalten, um die Durchfahrt ins Vorland zu ermöglichen und auf Höhe des neuen Schöpfwerks eine Aussichtskanzel zur Donau hin auszubauen. Im Hochwasserfall werden die Lücken mit mobilen Alu-Elementen, im Fachjargon Deichbalkenverschlüsse genannt, verschlossen.

Zwischen Aicha und Thundorf verläuft noch der alte Damm. Die hier vorgesehene Deichrückverlegung befindet sich noch in der Planfeststellung. Das neue Schöpfwerk in Thundorf wird doppelt so groß ausgebaut und ähnlich wie das in Aicha aussehen.

Quelle: Osterhofener Zeitung / PNP, 11.05.2022

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