Gründerzentrum steht vor zweiter Erweiterung
Hafen Straubing-Sand
Das Innovations- und Gründerzentrum am Europaring wird erweitert um den mittlerweile zweiten Anbau, der sich an das hintere gestreifte Gebäude anschließen wird. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist gerade ein "Biolab" als Modulbau mit Laboren und Büros im Bau. Foto: ZVH
Der Gründerzentrum-Anbau (holzfarben) im Modell. Foto: Monika Schneider-Stranninger
Die Sparte Nachwachsende Rohstoffe hält weiter Einzug auch im Hafen Sand. In seiner jüngsten Sitzung hat sich der Zweckverband Hafen (ZVH) mit der mittlerweile zweiten Erweiterung des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ) befasst. Im Bau ist bereits ein Biolab und die Multipilot-Anlage wird dringend erwartet.
Die Pläne für die Erweiterung des Gründerzentrums liegen fertig in der Schublade, aber: Der ZVH ist von einer Aufstockung des zugesagten 16-Millionen-Euro-Zuschusses des Freistaats abhängig - aufgrund massiv gestiegener Baukosten. Die Rede ist von mehreren Millionen Euro. Die Verbandsversammlung hat einhellig die vorliegende Planung als "großen Wurf" bestätigt, gleichzeitig die Geschäftsführung beauftragt, beim Freistaat eine höhere Förderung zu erwirken und gleichzeitig Kosteneinsparungen zu prüfen.
Das Gebäude, ein nachhaltiger Holzbau mit Laubengang und begriinter Fassade, hat laut stellvertretendem ZVH-Geschäftsführer Stefan Niedermeier eine Länge von 86 Metern und wird an den ersten Erweiterungsbau angesetzt. Geplant wurde es nach europaweiter Ausschreibung von einem Architekturbüro aus Bregenz/München. Das Gebäude wird auf insgesamt 2.000 Quadratmetern je zur Hälfte Büros und Labore enthalten. Die Nachfrage bei Gründerfirmen ist da. Gleichzeitig soll der Eingangsbereich des ursprünglichen Griinderzentrums verändert, auf heutige Anforderungen angepasst werden. Im Bestand soll Raum für einen weiteren Tagungsraum umgewidmet werden. Auch da ist Nachfrage.
Auf der dem IGZ gegenüberliegenden Straßenseite wird gerade ein "Biolab" gebaut. Der Modulbau enthält ebenfalls Büros und Labore für Grünclerfırmen. Die 300 Quadratmeter sind laut Niedermeier bereits vermietet und sollen noch heuer fertiggestellt werden.
Seit langem wird die vielzitierte Biocampus Multipilot-Anlage erwartet. Dort können Unternehmen und Forschungseinrichtungen sich künftig fiir einen Zeitraum einmieten, Maschinen und Anlagen nutzen, um ihre Verfahren und Prozesse in einem industrierelevanten Maßstab zu demonstrieren, auszutesten und damit die Produkte auf dem Weg zur Marktreife entscheidend voranbringen.
Aktuell laufe der Bauantrag, so Niedermeier. Allerdings keine Überraschung: Auch hier werden die kalkulierten 40 Millionen Euro Baukosten nicht reichen. Und auch hier wird der ZVH bei der Staatsregierung nochmals anklopfen müssen.
Wichtiges Puzzleteilz Bahnhaltepunkt für Hafen
Ein weiteres Projekt, das dem Zweckverband auf den Nägeln brennt, ist die Errichtung eines Bahnhaltepunkts im Hafen - im Bereich des ehemaligen Gasthofs Krieger. Es wäre ein wichtiges Puzzleteil für die dortige Infrastruktur. Güter verkehren im Hafen per Bahn seit Jahren, Mitarbeiter, Geschäftspartner und Besucher des Gebiets können allerdings nicht per Bahn dorthin gelangen. Ein Manko. Die nächsten zwei Jahre erhofft man sich die naheliegende Realisierung durch den Halbstundentakt der ohnehin vorhandenen Gäubodenbahn.
Dazu ist ein Haltepunkt und als Zubringer für Fußgänger und Radfahrer eine Querung der SR 12 nötig. Dafür hat sich die Verbandsversammlung schon vor Längerem für eine "Zuwegung" mit einer Brücke in filigraner Alu-Fachwerkkonstruktion entschieden, die (im Umfeld des Neubaus von Sanitär I-Ieintze) 2023 errichtet werden soll. Es können dazu in Rahmen einer Baukostenvereinbarung mit der Gemeinde Aiterhofen Förderprogramme mit einer Quote von 80 Prozent genutzt werden. Das Projekt ist einschließlich Grunderwerb mit 2,2 Millionen Euro kalkuliert. 1,8 Millionen Euro entfallen auf den ZVH, 400.000 Euro auf die Gemeinde Aiterhofen. Nach Abzug der Zuschüsse verbleibt für den ZVH eine Belastung von 350.000 Euro.
Schiffsgüterumschlag und Bohrung im Hafen
Deutschland ist wie weite Teile Europas heuer von Trockenheit und Niedrigwasserständen geprägt. Die Folgen sind auch im Hafen Straubing-Sand sichtbar. Der Schiffsgüterumschlag ist laut Geschäftsführer Andreas Löffert zwischen Januar und September um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, um acht Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Tiefpunkt war August und September mit einem Rückgang um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und 47 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Zuletzt war 2018 ein ähnlich schlechtes Umschlagjahr, auch da wegen anhaltender Trockenheit.
Spürbar sind laut ZVH-Geschäftsführung auch die aktuellen weltpolitischen Verwerfungen. Vielfach werde mit Gütern wie Raps und Soja preislich spekuliert und Ware bewusst zurückgehalten. Bei den Ankünften im Hafen Sand bilanzierte Löffert im August und September sogar einen Rückgang um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wie zum langjährigen Mittelwert. Minuszahlen, wie es sie in der Einschätzung des Hafenmeisters seit Bestehen des Hafens noch nicht gegeben hat.
Im Vergleich der bayerischen Häfen schlägt sich Straubing dennoch wacker und lag von Januar bis Juni nach Regensburg und Aschaffenburg an dritter Stelle beim Umschlag. Positiv entwickelt haben sich die Zahlen beim Bahnumschlag - mit den bisher höchsten erreichten Werten. Von Januar bis September ist im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von elf Prozent zu verzeichnen, sogar 23 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Nach wie vor sind im Hafenbecken Bauarbeiten im Gange, berichtet Löffert vom Stand der Ertüchtigung der Spundwände für stärkere Belastung angesichts künftig 65 Zentimeter mehr Wassertiefe. Dazu sind Bohrungen im Gange, um Stahlanker einzubringen. Es handelt sich um Infrastruktur-Begleitmaßnahmen im Zuge des Donauausbaus, von dem sich der Hafen weitere spürbare Frequenz verspricht. Erst nach der Ertüchtigung erfolgt die Ausbaggerung. Insgesamt ein Millionen-Vorhaben, an dem der ZVH einen Eigenanteil von zehn Prozent zu tragen hat.
Nachhaltihkeitskriterien für Ansiedler
Einblick in Nachhaltigkeits-Kritierien, die Neu-Ansiedler im Hafen Straubing-Sand erfüllen müssen beziehungsweise sollen, hat ZVHGeschäftsführer Andreas Löffert in der Sitzung des Zweckverbands gegeben.Das Spektrum reicht von der Ausführung von Neubauten mindestens gemäß DGNB-Standard Gold (DGNB = Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) oder vergleichbarer Zertifikate (Flächensparendes Bauen, Minimierung von Bodenversiegelung, Nutzung von Recyclingmaterial). Ressourcenschonung (nachhaltige Baustoffe, Fassadenbeziehungsweise Dachbegrünung, Regenwassernutzung, Sicherstellung der Durchlässigkeit von Einzäunungen für Kleinlebewesen, Installation von Nistkästen für Vögel und Fledermäuse).Nutzung erneuerbarer Energien (mindestens 60 Prozent der Dachfläche mit PV-Anlagen, energieeffiziente und insektenfreundliche Nacht- und Werbebeleuchtung und Förderung von modernen Mobilitätskonzepten für Mitarbeiter wie Jobticket, E-Mobilität, Fahrradabstellsysteme).Und schließlich Gemeinwohl (Beteiligung an Baum- und Bankpatenschaften des ZVH, Vermeidung von Müllablagerungen und Beteiligung an Müllsammel-Aktionen des ZVH).Nach Mitteilung von Andreas Löffert hat Amazon für seine Ansiedlung im Hafen die Gold-Zertifizierung des DGNB erhalten.
Quelle: Monika Schneider-Stranninger, Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, 23.10.2022
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Mediengruppe Attenkofer
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