Richtfest muss verschoben werden

Richtfest muss verschoben werden

Rathaus-Rohbau steht, aber Lieferschwierigkeiten verzögern den Bau des Dachstuhls

Man schaut beim Fenster rein - und sieht den Himmel: So wird es beim Rathaus-Rohbau den Winter über bleiben. −F.: Kuhnt

Man schaut beim Fenster rein - und sieht den Himmel: So wird es beim Rathaus-Rohbau den Winter über bleiben. −F.: Kuhnt

Der Rohbau steht. Was fehlt, ist der Dachstuhl. In den Wochen bis Weihnachten hätte er errichtet werden sollen, doch stattdessen herrscht auf der Baustelle am Marktplatz Stillstand. Die Eginger müssen beim Rathaus-Neubau eine Verzögerung von bis zu fünf Monaten hinnehmen. Noch beim symbolischen Spatenstich im April hatten die Verantwortlichen das Richtfest für den November/Dezember 2021 angekündigt. Daraus wird nun nichts. Die mit dem Dachstuhl beauftragte Holzbau-Firma Luger aus Eging stünde bereit. Woran also liegt’s?

"Grundsätzlich ist beim Erdbau, dem Spezialtiefbau und dem Rohbau/Baumeister alles sehr gut gelaufen", sagt Architekt Dieter Guttenberger von der WerkGemeinschaft Guttenberger aus Stuttgart. "Der Wunsch, vor dem Winter das Dach aufzurichten, war zwar sportlich, aber realistisch. Doch jetzt gibt es coronabedingte Lieferschwierigkeiten bei der Aufdachdämmung, die zwischen der tragenden Dachkonstruktion und der Dachaußenhaut eingebaut werden soll", erklärt Dieter Guttenberger. Die Abdichtung und die Aufdachdämmung aus Mineralfaser müssen vom Spengler gleich nach dem Dachstuhlbau angebracht werden. Deshalb könne auch die Zimmerer-Firma Luger nicht loslegen. Knapp hergegangen wäre es zudem mit der Lieferung der Hohlraum-Elemente der Schweizer Firma Lignatur. Diese hochwertigen Deckenteile werden als tragende Holz-Dachkonstruktion, auch für die Raumakustik, eingesetzt und später im Inneren des Gebäudes als Sichtholz zu sehen sein. Die Firma Lignatur würde zwar noch rechtzeitig vor dem Winter liefern können. Aber wenn aufgrund fehlender Isolierung und Dämmung nicht sicher gestellt werden kann, dass ihre wertvollen Holz-Elemente zeitnah und vollständig mit der äußeren Dachhaut eingebaut werden, ist das Risiko groß, dass sie durch Feuchtigkeit Schaden nehmen, wie Guttenberger erklärt. Das würde sich spätestens beim Richtfest rächen, wenn die Leute die Schäden optisch bemerken.

"Erst dachten wir, es geht sich noch aus"
"Erst dachten wir, es geht sich alles noch aus. Aber dann war Herr Luger so verantwortungsbewusst und hat mich angerufen, als es in Eging den ersten Raureif gab. Bei den gegebenen Verzögerungen äußerte er Bedenken, den Dachstuhl rechtzeitig vor Wintereinbruch zu schaffen. Ich habe daraufhin beschlossen, dass wir den Dachstuhlbau auf den Frühling 2022 verschieben. Im Nachhinein haben mich Alois Luger und andere Handwerksfirmen in dieser Entscheidung bestätigt. Auch Bürgermeister Bauer hat Verständnis. Darüber bin ich sehr froh und dankbar", sagt Dieter Guttenberger.
Die Tatsache, dass das Dach heuer nicht mehr gebaut wird, zieht nach sich, dass auch die Glaselemente und Türen noch nicht eingebaut werden können. Was wiederum zur Folge hat, dass das Gebäude vorerst nicht "dicht" gemacht werden kann. Somit können die Heizungs- und Elektroarbeiten, die für die Winterzeit geplant waren, noch nicht durchgeführt werden. Wohl erst im März 2022 wird es auf der Baustelle weitergehen. Dann soll der Dachstuhl errichtet werden, in Verbindung mit der Lignatur-Dachkonstruktion, der Aufdachdämmung und der Alu-Eindeckung.

Verzögerung eine Auswirkung der Pandemie
Zunächst war auf der Baustelle alles planmäßig vorangegangen. Verzögerungen aufgrund der Corona-Krise waren kaum zu spüren. Der Rohbau war durch den Einsatz von Halbfertigteilen sogar früher fertig als vorgesehen. Doch jetzt wirkt sich die Pandemie doch in Eging aus – wie auf so vielen Baustellen Deutschlands.
"Man kann die Umstände schlecht beeinflussen. Bis jetzt sind wir ohnehin glimpflich davon gekommen", sagt Bürgermeister Walter Bauer pragmatisch. Für die Marktplatzneugestaltung waren 2020 im Ortskern vier Häuser abgerissen und die Kirchenfassade freigelegt worden. Im Februar 2021 begannen die Arbeiter mit den Vorbereitungen für die Tiefbauarbeiten, ab März wurden die Fundamente und Bodenplatten für Parkdeck und Rathaus-Neubau gefertigt. Im April fand der Spatenstich statt.

Für eine lebendige Ortsmitte investiert die Markgemeinde Eging rund zehn Millionen Euro, stark unterstützt durch die Städtebauförderung. Neben dem Rathaus soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Architekt Dieter Guttenberger hat Eging beim Spatenstich "ein neues Herz" versprochen. Es wird halt ein paar Monate später als geplant zu schlagen beginnen.

Quelle: Vilshofener Anzeiger/Simone Kuhnt, PNP.de, 15.11.2021

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